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03.06.1999
Surfen im Schulbuch: Das Klassenzimmer der Zukunft
Von Marc-Oliver von Riegen, dpa

Duisburg (dpa)

Das Klassenzimmer der Zukunft steht seit dieser Woche in einer Grundschule in Duisburg. Die ABC-Schützen der ersten und zweiten Klasse tauschen dort bis zu den Ferien in zwei Wochen schon einmal probeweise ihre Malblöcke und Schulbücher mit Computern. Die flachen Bildschirme sind wahre Wundertafeln: "Die Kinder können darauf schreiben, malen und Geschichten erfinden", sagt der Informatiker Ulrich Hoppe von der Mercator-Universität Duisburg. Der Lehrer wird dabei nicht überflüssig, sondern zu einem "Informationsmanager" und Moderator.

"Mit dem Computer macht es viel mehr Spaß als vorher, weil alles farbig ist und man nichts mehr wegradieren muß, was falsch ist", sagt die siebenjährige Lisa begeistert. Mit einem Stift berührt ihre achtjährige Freundin Laura den Bildschirm, der flach in den Tisch eingebaut ist. Sie verschiebt auf dem Schirm Buchstaben und setzt so das Wort "Oma" zusammen. "Lesen durch Schreiben nennen wir das", erläutert die Klassenlehrerin Claudia Tevesen. "Mit der erfolgreichen Methode bilden die Kinder Wörter aus einer Lauttabelle, in der zu jedem Buchstaben ein kleines Bildchen gehört". Auf Knopfdruck liest der Computer das Wort vor, und die Schüler hören, ob ihr Werk Sinn macht oder nicht.

"Damit können wir viel gezielter auf die Kinder eingehen und brauchen nicht jedes Wort vorzulesen und zu kontrollieren", sagt Tevesen, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Mann an die Duisburger Schule geholt hat. Jeder Schüler hat einen eigenen "Computerfreund", mit dem er sich in das System einloggt. Ein "Agent" hilft den Kindern außerdem bei ihren Aufgaben. Der erste interaktive Klassenraum ist Hoppes "Kind". Schützenhilfe steuert die Europäische Union bei, die das europaweite Projekt "NIMIS" (Networked Interactive Media In Schools) zwei Jahre lang mit 1,6 Millionen Mark fördert.

Im kommenden Schuljahr will der Informatiker das elektronische Klassenzimmer in Duisburg, das knapp 100 000 Mark gekostet hat, offiziell im Unterricht testen. Mehrere erste Klassen können die Computer dann jeden Tag eine Stunde lang ausprobieren. Auch im englischen Leeds und in Lissabon wird das Projekt getestet. Lisa und Laura freuen sich schon darauf, ihren Mitschülern in England und Portugal Grüße auf den Bildschirm zu schicken. Vorerst finden die beiden Mädchen aber ihre Computerfreunde Wauzel und Pingu viel interessanter.

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