Eine kurzweilige Orbit ohne Platzmangel
Gestern startete in der Messe Basel die Computer-Messe
Orbit/Comdex, zum zweiten Mal nun in europäischer Ausrichtung. Gegenüber dem
Vorjahr sind weniger Aussteller zu verzeichnen. Der Grund dafür sind
Schwierigkeiten auf dem IT-Markt.
Die
europäische Fachmesse für Computer und IT-Technologien, die Orbit/Comdex Europe
2001, hält seit gestern wieder Einzug in den Räumen der Messe Basel. Rund
80 000 Besucherinnen und Besucher, so schätzt die Messeleitung, sollen an
den vier Tagen bis Freitagabend die Hallen füllen, was eine vorsichtige und -
mit gutem Grund - keine zu optimistische Schätzung darstellt.
Weniger
Aussteller als im Vorjahr
Im letzten Jahr hat die Veranstaltung gut
79 000 Leute angezogen. Allerdings waren damals mehr Aussteller vertreten
als in diesem Jahr mit rund 1300 Anbietern, teilte Orbit-Sprecher Bernd Schuster
der BaZ mit. Die rückläufige Tendenz hat zum einen mit Problemen und Engpässen
auf dem IT-Markt zu tun, zum anderen sind gewisse Unternehmen schlicht vom Markt
verschwunden, eingegangen oder - wie im Fall von Sunrise und Diax - miteinander
verschmolzen.
Die Situation in den Hallen präsentiert sich, je nach Standort,
ziemlich übersichtlich. Besonders augenfällig sind die zum Teil äusserst
ansprechenden Bauten, mit denen die Anbieter dem Kunden entgegentreten. Wer
etwas auf sich hält, legt in seinem Pavillon weiche Teppiche aus oder täfelt den
Boden mit Holzplatten. Einige der Anbieter haben für die kurze Zeit, während der
sie in den Hallen gastieren, gar eine Art Filiale mit eigenem Café, mehreren
Stockwerken oder fantasievollen architektonischen Spielereien errichtet.
Besonders nett: die Piazza von Swisscom - oder die Schuh-Installation von
Xerox.
Zukunftsweisende Slogans
Omnipräsent sind an der
Orbit auch die selbstbewusst-zukunftsweisenden Slogans wie «Wir bewegen uns in
eine neue Dimension» oder, frei übersetzt, «Schlafen Sie gut - wir übernehmen
für Sie», womit dem Interessenten Sicherheit und Geborgenheit vermittelt werden
sollen. Sicherheit ist überhaupt ein wichtiges Thema an der diesjährigen
Fachmesse. «Es kann Sie jederzeit erwischen», heisst es da zum Beispiel bei der
Firma Open Systems aus Zürich, die sich in eine schlupfsichere Festung aus Holz
zurückgezogen hat, womit aber der Inhalt ihrer Produkte - Programme gegen
PC-Viren - nach aussen gekehrt wird.
Mit Akrobatik
garniert
Bernd Schuster ist erstaunt und glücklich über die Vielfalt
und Kreativität, mit der sich die Aussteller dem Publikum präsentieren,
ungeachtet der weniger gemütlichen Marktlage. Aufmerksamkeit ist denjenigen
sicher, die ihre Produkte im Rahmen eines öffentlichen Seminars, einer Game-Show
oder gar mit akrobatischen Einlagen verkaufen. In den abgelegenen Ecken der
Messe - zum Beispiel im hinteren Teil der Halle 5 - lassen sich in aller Stille
aber ebenso interessante Entdeckungen aufspüren.
Dort ist das europäische
Forschungsprogramm i3 («i-cube») domiziliert, das mit einem Gemisch aus
Computerwissenschaft, Kunst, Psychologie, Gesundheit und Schule die Beziehungen
zwischen Mensch und Technik vielfältig auslotet. Augenfällig hier: das
europäische Projekt «care here», das speziell für Behinderte und zerebral
geschädigte Menschen entwickelt worden ist. Der «Spieler» befindet sich in einem
sensorischen Raum, mit seinen Bewegungen kann er Objekte auf der Leinwand
steuern, Musik erzeugen oder auch Farbmuster hervorzaubern. Als Neuheit erweist
sich auch das «Active Board», ein überdimensionaler Computerbildschirm mit
Laserstift, der schon bald die herkömmliche Wandtafel verdrängen könnte.
Markus Kocher
© 2001 National
Zeitung und Basler Nachrichten AG